Parmenides von Elea

Leben

Parmenides lebte in Elea (Velia) an der Westküste Unteritaliens. Die Stadt war eine Gründung ionischer Griechen aus Phokaia in Kleinasien.

Für Parmenides´ Geburtsdatum haben wir unterschiedliche Angaben. Nach Laertios Diogenes müsste er um 540, nach der Darstellung in dem platonischen Dialog, der seinen Namen trägt, etwa 515 geboren sein.

Parmenides wird als der Begründer der Ontologie bezeichnet, womit er, von der Naturphilosophie her betrachtet, eine neue Entwicklung im philosophischen Denken einläutet. Die Frage ist daher, wie ist Parmenides zu seiner Lehre gekommen, und wer waren seine Lehrer?

Einflüsse

Wenn man sich an den Aufriss der geschichtlichen Entwicklung des philosophischen Denkens hält, den Aristoteles in seiner Metaphysik-Schrift gibt, so hätten wir die vorsokratische Philosophie hauptsächlich als Ursachen- und Ursprungsforschung zu verstehen – arché.

Milesische Naturphilosophen

Begonnen hat die Epoche der Vorsokratiker mit der Naturphilosophie der Milesier, welche es sich zum Ziel gemacht hat, eine einheitliche Substanz auszuweisen bzw. ein Grundprinzip der Natur zu finden (arché – Anfang, Ursprung, Prinzip) , aus der die Welt mit ihren mannigfaltigen Phänomenen und Veränderungen hervorgegangen ist (aber nicht mehr im zeitlichen Sinne, sondern im Sinne eines Urgrundes oder Urstoffes).

Thales aus der Stadt Milet war vermutlich der erste griechische Philosoph überhaupt. Er wirkte ca. 580 v. Chr. und nahm an, dass alle natürlichen Phänomene unterschiedliche Formen einer einzigen Grundsubstanz, nämlich des Wassers, seien, da er Verdampfung und Kondensation als universale Vorgänge ansah.

Anaximander, der ungefähr zur gleichen Zeit wie Thales in Milet lebte und lehrte, war ein Schüler der ionischen Schule, d. h. er war ein Schüler Thales. Anaximander stellte sich, im Gegensatz zu Thales, keinen bestimmten Urstoff vor. Er stellte sich einen Kreislauf vor, bei dem etwas entsteht und wieder in etwas vergeht. Dabei muss aber das Geschaffene endlich und das, was davor und danach ist unendlich sein. Dieses Unbegrenzte nannte er Apeiron.

Anaximander als Lehrmeister des Parmenides zu sehen, ist nicht unproblematisch. Beide lebten räumlich weit auseinander und dürften wohl kaum direkten Kontakt gehabt haben; wohl ist aber davon auszugehen, dass Parmenides die Lehren Anaximanders, wie auch die der übrigen Milesier, gekannt hat.

Anaximenes war der dritte große ionische Philosoph. Er war ein Schüler von Anaximander, aber ist durch seine Vorstellungen, vom Apeiron des Anaximanders, wieder zurück zur Aussage des Thales gekommen. Anaximenes stellt sich erneut ein Urstoff vor, aber nicht wie Thales das Wasser, sondern die Luft. Er nahm an, dass sich die Veränderung auf Grund von ,,Verdünnung“ und ,,Verdickung“ der Luft erklären ließen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die milesischen Naturphilosophen suchten aus der Vielfalt der Erscheinungen ein einheitliches Naturprinzip (arché) herauszufinden. Ihr wesentlicher Beitrag zur Philosophiegeschichte bestand somit

1) in ihrem Bemühen, die Naturphänomene rational erklären zu wollen

2) die Unterscheidung von Wesen und Erscheinung (vom Ansatz her) getroffen zu haben

3) Die Welt als einheitlichen Kosmos aufgefasst zu haben

Pythagoreer

Es spricht auch vieles für Einflüsse der Pythagoreer auf die Lehre des Parmenides.

Zum Beispiel gibt es bei Diogenes Laertios Hinweise auf Einflüsse von dem Pythagoreer Ameinias. So wird „ein armer, aber ganz vortrefflicher Mann namens Ameinias als sein Lehrer bezeichnet, dem er sich enger anschloß.“

Der Kontakt zu den Pythagoreern ist ohnedies als unzweifelhaft anzunehmen, denn diese besaßen zu jener Zeit und in jenem Raum große Geltung.

Pythagoras selbst, etwa 580 auf der Insel Samos geboren, wanderte ins unteritalische Kroton aus und gründete dort eine religiöse Bruderschaft. Die religiöse Bewegung, die um diese Zeit durch die gesamte griechische Welt ging und auf eine Reformation der Volksreligion abzielte, suchte er, indem er sie mit wissenschaftlichen Bestrebungen verquickte, auch in die höheren Gesellschaftsschichten einzuführen.

(Das religiöse Hauptdogma war die Lehre von der Seelenwanderung und der Vergeltung nach dem Tode

Zahl als Grundprinzip à Zahlenmystik)

Xenophanes

Aristoteles zufolge war Parmenides Schüler des Xenophanes (wohl aus Platons Dialog Sophistes – die eleatische Schule habe mit X. oder schon früher begonnen), Diogenes Laertios dagegen gibt nur an, dass P. Xenophanes wohl gehört habe, sich ihm jedoch nicht angeschlossen hat. Dafür dass P. Xenophanes gekannt hat, spricht außer der Ontologie auch die erkenntnistheoretische Einstellung, die beide teilen. Auch die Tatsache, dass Parmenides und Xenophanes nahezu zeitgleich an demselben kleinen Ort gelebt und gewirkt haben, bestätigt zumindest Einflüsse.

Es ist also nicht abwegig in Xenophanes einen Wegbereiter des Eleatismus zu sehen, sofern sein Gedanke der Einheit der Wirklichkeit Parmenides´ Lehre vom Einen Sein in gewisser Weise vorwegnimmt.

Xenophanes ist viel in der Welt herumgekommen und hat verschiedene Völker und Kulturen kennengelernt. Diese praktisch gemachten Erfahrungen waren maßgeblich in dreierlei Hinsicht an seinem Denken beteiligt:

Er zweifelte das Erkenntnisvermögen seiner Vorgänger und Zeitgenossen an, indem er behauptete, ihr Wissen bestünde nur aus Annahmen, nicht aber aus tatsächlichen Gewissheiten.

Des weiteren kritisierte er das herrschende Gottesverständnis, den anthropomorphen Polytheismus, welcher durch die griechische Mythologie, besonders durch Homer und Hesiod ihre Blütezeit erreichte. Xenophanes berief sich wieder auf seine während der Wanderschaft gesammelten Erfahrungen und setzte seine Umwelt davon in Kenntnis, dass jedes Volk ihre individuelle Gottheit besäße; die Vorstellungen der einzelnen Kulturen bzw. Stämme seien nur Abbilder menschlicher Eigenschaften.

Dieses subjektive Gottesverständnis war für Xenophanes vor einem Hintergrund der ,,[…] Vergeistigung und Versittlichung des Gottesbegriffes […]“ nicht einsehbar. Als Konsequenz entwarf er ein neues Gottesbild, welches jenseits von herrschenden Konventionen existierte und das Denken seiner Nachfolger beeinflusste. Dieser sei ein ,,[…] einziger Gott, unter Göttern und Menschen am größten, weder an Gestalt den Sterblichen ähnlich noch an Gedanken. Gott ist ganz Auge, ganz Geist, ganz Ohr. […] sonder Mühe erschüttert er alles mit des Geistes Denkkraft.[…] Stets am selbigen Ort verharrt er sich gar nicht bewegend […].“

X. ging es um eine angemessene Idee des Göttlichen, die er von der „populären Religion“ und den Vorstellungen von Homer und Hesiod abgrenzen wollte à ein höchster Gott (unbeweglich, unwandelbar, als einer Kugel ähnlich) (Aristoteles nennt ihn den ersten Einheitslehrer unter den Eleaten)

Heraklit

Heraklit stammte aus Ephesos (Kleinasien) und seine Lebenszeit fällt wahrscheinlich zwischen 535 – 475 vor Christus.

„Ob die Parmenideische Lehre, wie früher gewöhnlich angenommen, Im Gegensatz zur Philosophie Heraklits entworfen wurde, ist umstritten.

Heraklit stellt sich in bewussten Gegensatz nicht nur zur Menge, sondern auch zu seinen nächsten philosophischen Vorgängern und Zeitgenossen; nur die milesischen Naturphilosophen tadelt er nicht, an deren zweiten (Anaximander) er in der Tat auch in manchem erinnert.

Heraklit versuchte als Urgrund keine naturwissenschaftliche Erläuterung abzugeben, sondern nach einem symbolischen Ausdruck des Ganzen, der Welt, des Kosmos strebt. Alles sei einem ständigen Wechsel, einer unaufhörlichen Bewegung ausgesetzt. Einzig der ,,logos“ sei beständig und in der Lage das Weltgeschehen zu steuern.

Heraklit war in gewisser Weise der erste Philosoph, der den Begriff des Logos angewandt hat. Logos war bei ihm das Weltgesetzt, das alles Werden regelt.

In seiner Vorstellung wird das Chaos zum Kosmos, d. h. es wird zu einer geordneten Einheit. Trotz allem setzte er die Suche er ebenfalls nach dem Urstoff und fand diesen im Feuer verkörpert.

(Wichtig für die Rezeption, die bereits zu Lebzeiten Parmenides’ einsetzte, ist die Datierung des Gedichts, die allerdings nur sehr ungenau festgelegt werden kann. Die Frage ist insbesondere, ob Heraklit seine Lehren, wonach alles im Fluß ist, vor oder nach der Entstehung des parmenideischen Lehrgedichts verfaßt und bekannt gemacht hat, oder ob es sich gerade umgekehrt verhält, ob also Parmenides’ Gedicht ein Echo auf die Lehre Heraklits war, oder ob Heraklit seine Thesen als Antwort auf Parmenides entwickelt hat. Das Lehrgedicht des Parmenides wird jedenfalls auf die Zeit kurz nach 500 v. Chr. datiert. Danach wären wohl beide Möglichkeiten gegeben.)

Allgemeines zum Lehrgedicht

Von P. sind uns Fragmente eines in epischen Hexametern verfassten Lehrgedichts überliefert. Der Aufbau des Ganzen ist klar zu erkennen: Es gliedert sich in ein Proömium, einen ersten Teil, der die Wahrheit (d.h. die Ontologie des P.) entfaltet und einen zweiten Teil, der die Meinungen der Sterblichen (d.h. die Kosmogonie und Kosmologie des P.) darstellt.

Das Lehrgedicht war im 6. Jh. anscheinend noch vollständig erhalten, wo der Neuplatoniker Simplikios in seinem Kommentar zur Physik des Aristoteles schreibt, er wolle P. wörtlich zitieren, weil die Exemplare seines Werkes selten geworden seien.

Heute besitzen wir das vollständige Proömium, etwa 9 Zehntel des ersten (aletheia-Teil) und höchstens ein Zehntel des zweiten Teils (doxa-Teil).

Parmenides philosophische Errungenschaft besteht im wesentlichen in der Einsicht, dass das, was ist, nicht nicht-sein kann. Diesen gedanken setzt Parmenides mit verblüffender Konsequenz ein, um die übliche Rede von Werden, vergehen, veränderung und damit die vermeintlich selbstverständlichen Voraussetzungen für jede Beschreibung der Welt als logisch widersprüchlich zu erweisen.

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